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Das Sehen im Alter — Augenarzt im Interview

Das Sehen im Alter — Augenarzt im Interview

Das Sehen im Alter — Augenarzt im Interview

Augenarzt Dr. Jaksche im Interview:
Herr Dr. Jaksche, wie verändern sich die Augen im Alter?

Die wohl typischste Alterserscheinung der Augen ist die sogenannte „Altersweitsichtigkeit“. Sie beginnt zumeist irgendwo zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr und ist dadurch gekennzeichnet, dass Menschen zunehmend eine Lesebrille brauchen. Der Grund dafür ist, dass die Linse des Auges mit den Jahren ihre Elastizität verliert und dadurch in der Nähe nicht mehr so gut scharf stellen kann.

Die Altersweitsichtigkeit ist also ein natürlicher Prozess?

Genau, das ist ganz normal. Mit fortschreitendem Alter, etwa ab 60, nehmen diese Veränderungen weiter zu und die Linse trübt sich in einem schleichenden Prozess immer weiter ein, bis man irgendwann von einem „Grauen Star“, einer Katarakt, spricht. Die Sehleistung wird dadurch deutlich reduziert. Anfänglich sind sich die Patienten dieser Verschlechterung oftmals gar nicht bewusst.

Wie kann das sein?

Der Prozess der Eintrübung verläuft sehr langsam, das Sehen verändert sich immer nur in minimalen Nuancen, an die sich das Gehirn bei der Verarbeitung der Bilder immer weiter gewöhnt. Erst bei der Überprüfung der Sehschärfe und der Untersuchung des Auges beim Augenarzt merken die Betroffenen, wie stark ihre Sehleistung eingeschränkt ist. Ab einer Sehschärfe von 60 Prozent wird eine Operation nötig, bei der die „ausrangierte“ Linse mithilfe von Ultraschall zerkleinert und entfernt wird. Danach wird eine Kunstlinse eingesetzt. Bei einem ansonsten gesunden Auge kann die Sehleistung so deutlich verbessert werden.

Neben dem Grauen gibt es auch noch den Grünen Star. Was passiert bei dieser Erkrankung?

Der Grüne Star, das Glaukom, ist gekennzeichnet durch eine irreversible Schädigung des Sehnervs. Der Grund dafür ist in der Regel ein zu hoher Augeninnendruck. Das kann natürlich erhebliche Auswirkungen auf das Sehen haben.

Wie macht sich der Grüne Star denn bemerkbar?

Der Patient bemerkt Veränderungen erst spät, meistens zu spät. Denn unser Gehirn ist bei der Verarbeitung von Bildern so intelligent, dass es Fehlbilder, die zum Beispiel durch einen Grünen Star entstehen, „schönrechnet“. Erst sehr spät nimmt der Patient mitunter graue oder schwarze Flecken im Sichtfeld wahr. Je früher ein Grüner Star aber diagnostiziert ist, desto früher und wirkungsvoller können verschiedenste Therapien angewandt werden. Denn was durch den Grünen Star einmal an Sehkraft verloren gegangen ist, kommt nicht wieder zurück.

Dass der Betroffene als Letzter merkt, dass etwas nicht stimmt, ist dann sehr ungünstig…

In der Tat. Ab dem 40. bis 50. Lebensjahr sollten daher regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt stattfinden — am besten alle ein bis zwei Jahre. Besonders bei bekannten Augenkrankheiten in der Familie oder eigenen Vorerkrankungen sollten diese Termine nicht vernachlässigt werden. Das gilt im Übrigen auch schon für Kleinkinder: Die sollten im Alter zwischen zwei oder drei zum Augenarzt. Denn ein Kleinkind weiß noch nicht, ob es schlecht sieht.

Wie läuft eine Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt ab?

Das kommt natürlich auf die Fragestellung an. Aber generell gibt es einige routinemäßigen Untersuchungen: Zum Beispiel die Bestimmung der maximalen Sehschärfe und die Untersuchung des Auges mit einem Mikroskop. Je nach Befund oder Patientenwunsch, können Augenärzte viele hochtechnische Spezialuntersuchungen durchführen.

Gibt es noch weitere typische Alterserkrankungen der Augen?

Eine weitere klassische Erkrankung im Alter ist die sogenannte Makuladegeneration, kurz AMD. Dabei ist die sogenannte „Makula“ betroffen, der Bereich des schärfsten Sehens. Wenn wir also etwas genau ansehen, erfolgt das mit der Makula. Wir Augenärzte unterteilen dabei in die wesentlich häufiger auftretende trockene und die feuchte Makuladegeneration.

Wie unterscheiden sich diese beiden Varianten?

Bei der trockenen Form lagern sich Stoffwechselprodukte in Bereich der Makula ab, die als kleine gelbe Flecken zu sehen sind. Zusätzlich bildet sich in dem Bereich später Narbengewebe. Das geschieht zwar in einem sehr langsamen Prozess, kann aber letztendlich zu einer erheblichen Verminderung des Sehvermögens führen. Bei der feuchten Degeneration wachsen kleine Blutgefäße in die Makula ein, die die Sehfähigkeit „blockieren“. Zusätzlich neigen diese Gefäße dazu, Blut und Flüssigkeit in das Gewebe austreten zu lassen. Verbunden mit einer Schwellung führt das zu einem erheblichen Sehverlust — das kann auch sehr schnell gehen, innerhalb nur weniger Wochen.

Lässt sich die Makuladegeneration behandeln?

Glücklicherweise stehen uns für die feuchte AMD zuverlässige Medikamente zur Verfügung. Die müssen in regelmäßigen Abständen, zumeist alle vier bis acht Wochen, mit einer kleinen Spritze direkt ins Auge eingegeben werden. Für die trockene Makuladegeneration gibt es derzeit noch keine wirksame medikamentöse Therapie. Es gibt aber vielversprechende Untersuchungen mit spezieller Nahrungsergänzung, die das Fortschreiten der trockenen AMD stoppen kann.

Ein Medikament direkt ins Auge — das klingt sehr unangenehm. Kommt es vor, dass Menschen einen Besuch beim Augenarzt aufschieben?

Es gibt die Menschen, die gar nicht erst zu einer Untersuchung kommen, weil sie meinen, sie kämen noch gut zurecht. Leider kommt es so häufig zu einer Behandlungsverzögerung, falls ein Befund vorliegt. Und dann gibt es die Patienten, die ihre Diagnose kennen und sich vor der Behandlung fürchten, da würde es mir bestimmt auch nicht anders gehen. Aber im Falle der Makuladegeneration sagen die meisten Patienten nach der ersten Behandlung: „Ach, das war’s schon?“. So schlimm war es dann nämlich gar nicht. Die Patienten kommen ja auch regelmäßig, sodass viele den Ablauf schon kennen und keine Angst mehr haben.

Kann ich meine Augen im Alter fit halten?

Ein spezielles Training als solches gibt es nicht — auch wenn es das Internet oder einige Heilpraktiker behaupten. Wir benutzen unsere Augen ja durchgehend, wir sehen immer irgendwo hin: Das ist bereits Training genug.

Wie kann ich mir sicher sein, dass Behandlungen und Angebote, die in Werbungen und dem Internet angepriesen werden, wirklich helfen?

Man muss bei solchen Angeboten immer aufpassen, dass man nicht auch Trittbrettfahrer und Scharlatane hereinfällt, die sich am Leid von Patienten bereichern. Die erste Anlaufstelle sollte daher immer der Augenarzt sein, dem man vertraut und glaubt. Der kann einem sagen, was wirklich hilft, und was Hokuspokus oder vielleicht sogar schädlich ist. Sollte man sich als Patient dennoch unsicher fühlen, gibt es immer noch die Möglichkeit, sich eine zweite Meinung eines anderen Augenarztes einzuholen — von dem Zweite-Meinungs-Prinzip bin ich ein sehr großer Freund.

Kann ich Augenkrankheiten vorbeugen?

Das hängt natürlich von der jeweiligen Situation ab. Für Patienten, die völlig erblindet sind, gibt es Blindeneinrichtungen, zum Beispiel in Würzburg, Rückerdorf bei Nürnberg, München oder Regensburg. Generell gibt es auf dem Markt sehr viele Hilfsmittel — seien es Lupensysteme, vergrößernde Sehhilfen, spezielle PC-Software, Vorlesegeräte. Die Liste ist lang. Für Hilfsmittel ist natürlich der Augenarzt der erste Ansprechpartner, aber auch viele Optiker haben sich darauf spezialisiert.

Wie können Betroffene mit Einschränkungen beim Sehen den Alltag meistern?

Man weiß, dass genetische Faktoren bei der Entwicklung mancher Augenerkrankungen eine Rolle spielen, zum Beispiel beim Grünen Star oder der Makuladegeneration — das lässt sich natürlich nicht beeinflussen. Ein weiterer bekannter Risikofaktor für die AMD ist das Rauchen. Und auch die Ernährung und damit der Stoffwechsel beeinflussen die Gesundheit der Augen: Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus kann zu krankhaften Veränderungen in den Augen führen. Das beste Mittel zur Vorbeugung ist und bleibt aber eine regelmäßige Vorsorge durch einen Augenarzt.

Wo bekomme ich als Betroffener Hilfe?

Wie gesagt, erst einmal natürlich beim Augenarzt. Ich habe aber auch sehr gute Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen gemacht: Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund oder der Verein Pro Retina sind seriöse Selbsthilfeorganisationen. Die Betroffenen, die sich dort engagieren und sich mit ihrer Situation auseinandersetzen, können neu-erkrankten Patienten manche Sachverhalte für den Alltag sehr viel plastischer und praktischer darstellen als ein Augenarzt. Ob eine Selbsthilfegruppe wirklich das Richtige ist, hängt natürlich auch von jedem Patienten individuell ab — ich empfehle sie aber sehr gerne.

Ansprechpartner vor Ort

Weiterführende Informationen

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